Bad Beats sind beim Pokerspiel ja alltäglich. Jeder hat sie schon erlebt - jeder hat nicht nur einmal darüber geschimpft - jeder hat auch schon mehr als einmal davon profitiert. Über nichts wird bei Live-Pokerturnieren intensiver und ausführlicher diskutiert als über Bad Beats. Geht man in die wohlverdiente Pause um zu nikotinieren, kommt man an Bad Beatern, die sich einem spontan öffnen und Ihre Bad-Beat-Stories erzählen, die man teilweise schon 103. Mal gehört hat, kaum vorbei. Hätte man eine Tarnkappe, man träfe garantiert auf einen Mitspieler, der absichtlich bereits im Vorfeld ebenso eine soche käuflich erworben hat, um einem das Ohr mit dem Erzählen von seinen Bad Beats abkauen zu können. Vielen Dank auch! Zumindest dachte ich das bisher...
Ebenso veranlassen Bad Beats ständig Online-Pokerspieler, darüber zu spekulieren, dass Pokerräume ihnen absichtlich schlechte Karten zuteilen würden. Ja, man könnte sogar eine Rangliste erstellen, welche Online-Pokerräume in welchem Abstand welche Bad Beats welchem Spieler genau "zuteilen". So soll ja - wie man hört - Ongame sehr "drawlastig" in Richtung von Bad Beats auf dem River sein - Full Tilt wiederum prädestiniert dafür, ein Full House oder gar einen Vierling auf dem River zu komplettieren - Pokerstars wiederum soll "Neuanmeldungen" in jeder Beziehung bevorzugen. Ich weiß es nicht, was ich noch alles über die Bad Beat-Lastigkeit von verschiedenen Pokerräumen gelesen habe. Ich kann all das nicht mehr hören. Zumindest dachte ich auch das bisher...
Ja aber was ist eigentlich ein Bad Beat und wie definiert man ihn überhaupt? Ich habe den Brockhaus vergeblich befragt - also musste das Internet herhalten, welches mich dann umfrangreich in ungefähr 125257 individuellen Forenbeiträgen über Bad Beats aufzuklären wusste. Na sowas!
Sogar Wikipedia hat die eine oder andere Definition zum Thema "Bad Beat" parat. Dort heißt es: "Ein bad beat beschreibt in den Hold'em-Varianten des Kartenspiels Poker eine Hand, die trotz ihrer offfensichtlichen Stärke verliert. Unter den Pokerspielern gibt es keine allgemein gültige Definition, was genau ein bad beat ist.". Aber auch: "Unvorhersehbarer Bad Beat: Von einem unvorhersehbaren bad beat spricht man, wenn eine starke Hand gegen eine noch stärkere Hand verliert. Ein gutes Beispiel dafür ist der Film James Bond: Casino Royale. Dort verliert der Protagonist mit einem Straight Flush gegen ein nut Full House". Spätestens jetzt beginne ich aber hellhörig zu werden!
Da fällt mir doch glatt auf Grund dieser Definition die Mundklappe nach unten und ich konnte gerade eben tatsächlich mein Vokabular um das Unwort "unvorhersehbarer Bad Beat" erweitern. Klasse Wikipedia und noch mehr Applaus für denjenigen, der das da hereingekritzelt hat! Der nächste Herr - die selbe Dame - allzeit bereit!
Da ich zwischenzeitlich auf Grund meiner Recherchen nach einer allgemeingültigen Definition doch schon beinahe am verzweifeln bin, entschließe ich mich dazu, einfach die erste Definition von Wikipedia anzunehmen und komme plötzlich zu der Erkennnis: Ein Bad Beat ist ein ausgesprochen wichtiger Bestandteil des Pokerspiels. Er gehört dazu, wie das Amen in die Kirche und der Zölibat zum katholischen Pfarrer (oder so ähnlich).
Wäre ein Bad Beat kein wichtiger Bestandteil des Pokerspiels - und jetzt sind wir doch einfach einmal alle ganz ehrlich - wäre Poker doch in der Hauptsache sogar ein mehr oder weniger langweiliges Kartenspiel! Wumms - das hat jetzt gessen, oder? Wie komme ich zu der Erkenntnis und was hätte es für tatsächliche Auswirkungen, gäbe es keine Bad Beats im Pokerspiel mehr?
Nun, nicht nur mein Schreibtisch hätte wohl ein paar Beißkerben weniger vorzuweisen, auch mein Gehirn höchstwahrscheinlichu ein paar Windungen weniger. Dank meiner Analysesoftware würde ich - ohne irgendwie nachdenken zu müssen - praktisch alle Hände gewinnen, bei denen ich mathematisch gesehen vorne bin. Ja hallo - wie toll wäre das denn?
65 Prozent im Vorteil? Raise auf 10.000! 75 Prozent vorne? All In! Sofort! Egal aus welcher Position - egal gegen welchen Gegner, egal welche M-Zone! Denn ohne real existierende Bad Beats würde unsere Hand ab einem bestimmten Vorteil doch fast immer halten müssen - außer wir erleiden den sagenumwobenen "Wikipedia - unvorhersehbaren Bad Beat".. Mann, wie klasse wäre das denn - keine großartigen Überlegungen mehr - keine umständlichen Analysen der Gegner notwendig...
Aber jetzt zurück zur Realität: Wollen wir Pokerspieler dies denn auch tatsächlich haben? Gewinnorientiert gesehen selbstverständlich ja - keine Frage! Aber gegen wen würden wir dann überhaupt noch spielen können, gäbe es keine Bad Beats mehr? Wer wären unsere Gegner? Rechnen-6-setzen-Deppen, die weder einfache Prozentrechnung beherrschen noch eine Analysesoftware am Rechner installieren können bzw. Leute mit 39 Dioptren, die sich versehentlich gerade eben auf ihre Brille gesetzt und diese damit in die ewigen Jagdgründe befördert haben?
Tatsache ist: Wir würden bei fehlenden "normalen" Bad Beats entweder keine Raises oder Bets oder wenn diese erfolgten keine Caller mehr haben, Roboter würden letztlich Poker übernehmen und das nächste Bracelet der WSOP 2010 unter sich alleine ausspielen. And the winner is: R2D2! Herzlichen Glückwunsch!
Daher oute ich mich an dieser Stelle jetzt ganz bewusst: Ich bin ab sofort ein Pro-Bad-Beater! Ich liebe sie - ja ich kann gar nicht ohne Bad Beats sein - ich bin sogar süchtig danach! Ich bin im Laufe meiner Recherchen letztlich zu einem Bad Beat-Junkie geworden!
Und ich habe ebenso keine Lust, mich auf dem nächsten Poker-Live-Event mit ausgeschiedenen Gegnern in der Pause über die letzte Tupper-Party seiner Frau zu unterhalten sondern werde ab sofort sogar sehr gerne das 104. Mal ein Bad Beat-Gespräch über mein Haupt ergehen lassen...
Oder - um mit der Sprache einer bekannten Fast-Food-Kette zu sprechen: Ich liebe es!
ein erfrischender Kommentar zur ewig gleichen Bad-Beat-Problematik. Ich kann von diversen ... aber lassen wir das Am Ende gleichen sich ja auch die Bad Beats irgendwann statistisch aus.
In diesem Sinne: fröhliches Weiterpokern und mögen die Bad Beats zu 51% zu Deinen Gunsten liegen (ausser wenns gegen mich geht )
Na, ob das der größte bad beat aller Zeiten ist? Ich weiß nicht, da hab ich schon anderes erlebt. AA verliert gegen 72 nur weil der Junge auch nen flush mit der 2 macht! Oder jeweils AA gegen AA und einer macht den flush. Alles schon gesehen.
Aber im Ernst, ob bad beats jetzt dazu gehören oder nicht. Es gibt regeln für Poker oder? Und das heißt es wird gewettet bis zum River. Und jeder wettet er hat die beste hand am Ende! Das ist der Punkt. Jeder weiß es, am Ende wird abgerechnet. Bad beats gibt es für mich nicht. Es entspricht den regeln. Wer einen Vierling mit Königen floppt, muss auch davon ausgehen, daß er mal gegen Vierling Asse verliert. Kommt zwar nicht oft vor, aber es ist kein bad beat. Es entspricht der Regel. Basta.